Entstehung von Ammenmärchen

Ein Ammenmärchen ist in seinem Ursprung eine frei erfundene Geschichte, die vor allem von Kindern und von leichtgläubigen Menschen für wahr gehalten wird. Heute versteht man unter Ammenmärchen Gerüchte, populäre Irrtümer und scheinbares Wissen. Wie viele andere mündliche Überlieferungen sind Ammenmärchen Teil der mündlichen Erzähltradition, die in allen Kulturen eine große Rolle spielt.

Grusel- und Schauergeschichten als Erziehungsmethoden

Der Begriff entstand im 18. Jahrhundert. Damals hatten viele reiche Haushalte für ihre Kleinkinder eine Amme, die gleichzeitig Nährmutter und Kindermädchen war. Die Ammen erzählten ihren zu betreuenden Kindern Märchen und sensationelle Geschichten mit meist schaurigen, moralischen Inhalten. D

iese Schauergeschichten dienten aber nicht allein der Unterhaltung, sie sollten den Kindern auch Furcht einflößen und sie dadurch zum Gehorsam erziehen. Dass die Ammen diese Geschichten oft abends vor dem Einschlafen erzählten, verstärkte die gruselige und furchteinflößende Wirkung noch. Außerdem waren die Erzählungen geprägt von einem damals weit verbreiteten Aberglauben, der sich in den Kinderstuben ungehindert weiter tradieren konnte.

Die Aufklärer prangerten diese erzieherische Methode an. Sie sahen Ammenmärchen durchweg negativ und kritisierten vor allem das Weitergeben des abergläubischen Weltbildes und die Verbreitung von Furcht und Schrecken. Ihrer Meinung nach sollten Kinder nicht in Angst und Aberglaube erzogen werden. Sie plädierten vielmehr für die Vermittlung von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, da dadurch mündige und angstfreie Bürger heranwachsen würden.

Ammenmärchen heute

Heute wird der Begriff Ammenmärchen abwertend verwendet für Äußerungen, Meinungen oder Erzählungen, denen man keinen Glauben schenkt: “Das ist doch nur ein Ammenmärchen”.
Viele Ammenmärchen halten sich nach wie vor hartnäckig, auch immer noch in der Erziehung. Wer kennt nicht die Begründung für das Leseverbot abends im Bett: “Im Dunkeln lesen schadet den Augen”.

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